Ist neu immer besser?

Diese Kolumne dreht sich in Zukunft um Alltag und meine Wahrnehmung davon. Ich bin kein Journalist und will lediglich zum differenzierten nachdenken in unter 800 Wörtern anregen. Versprochen.

“Neu ist immer besser” — Barney Stinson

Ich wollte schon immer einmal einen Text mit einem Stinson-Zitat eröffnen. Barney Stinson ist jener schlipstragende Aufreißer, den man von überall und immer kennt, auf den Punkt gebracht in “How I Met Your Mother”. Gerade mit diesem Satz biegt er sich auf ein neues die Wahrheit so zurecht, wie er es gerade brauchen kann, widerspricht sich auf abstruseste Art und Weise — aber erscheint seinem Adressaten doch logisch dabei.

Im direkt darauf folgenden wird er gefragt, warum diese Regel seine beste sein soll. Darauf antwortet er, dass dies seine älteste Regel sei — und somit seine beste. “Neu ist immer besser”, ah ja. Quod erat dissensum.

Wunschdenken hält Einzug in den Alltag

Doch darum geht es auch nicht. Es geht viel mehr darum, dass diese Art Wunschdenken in unseren Alltag still und leise schon seit langem Einzug hält. So verzerrt sich manchmal unsere Selbstwahrnehmung im Alltag entsprechend unserer Meinung. Fakten biegen wir so um, dass wir sie als Untermauerung für unseren Standpunkt sehen. Die Eigentliche Wahrheit dahinter wird ausgeblendet, wenn sie uns nicht in den Kram passt.

Nun ist eine Portion Selbstvertrauen für jeden von uns essentiell und auch höchst wünschenswert. Ohne eine solche lässt sich selten ein persönliches Wunschziel erreichen. Doch sollte man sehr bedacht zwischen Realität und Wunschdenken differenzieren, gerade wenn man sich von seinem Willen und seiner Meinung packen lässt.

Man möchte etwas kaufen

Ein Beispiel: Man möchte etwas kaufen, weil es cool ist, Lifestyle verkörpert oder was auch immer. Das ist ja erst mal nichts besonderes. Aber nehmen wir an, dass die angestrebte Anschaffung doch etwas teurer wird. Man zögert wegen des Preises, die Vernunft kann sich in Form des eigenen Gewissens äußern. Oder es ist die Freundin oder der Kollege, die neben einem stehen und einem zureden, man solle das doch lieber mal lassen. Und tief in seinem Inneren weiß man auch: Eigentlich brauche ich das nicht.

Und genau da kommt der “Stinson-Effekt” zum tragen (zumindest taufe ich ihn jetzt einfach so). Plötzlich sind alle alternativen großer Mist. Das alte Gerät oder Produkt hat ja noch nie so funktioniert und eigentlich ist es ja auch an der Zeit für etwas neues. Man widerspricht sich selbst — und aller Logik, die an einen herangetragen wird.

So funktioniert doch die Marktwirtschaft. Man will uns etwas verkaufen, das wir eigentlich nicht brauchen, aber trotzdem unbedingt haben wollen (geschrieben auf meinem MacBook Pro).

“Das haben wir immer so gemacht”

Münzen wir das Betrachtete doch einmal um auf unsere heutige Gesellschaft, auf Normen, Werte und Zeitgeist. Ständig ist der Mensch auf der suche nach neuem, nach besserem. Außer da, wo es nötig wäre. “Das haben wir immer so gemacht” ist eins der Zitate, die ich in meiner Branche am häufigsten höre. Und gerade das ist es doch, was uns bremst. Natürlich ist der Mensch von Natur aus faul. Er greift zum existierenden, zum bekannten. Zumindest wenn es um Arbeit geht. Auf einmal zählt Innovation weniger wie ein früher Feierabend und eine “sichere Nummer”.

Gerade in der Technologiebranche kommt man so nicht weit. Es muss umgedacht werden. “Das haben wir immer so gemacht” sollte ein Abmahngrund werden.

Neue Wege gehen

Wie kann dem also Einhalt geboten werden? Ein Lösungsansatz: Wenn es um Privates Vergnügen geht, so verändert sich die Sachlage dann ganz schnell — und es kommt zu den oben genannten Phänomenen: Die Faulheit ist weg, der Innovaton Tür und Tor geöffnet.

Es muss also “nur” jede Problematik mit dem gleichen Elan angegangen werden, sei es privat, beruflich, politisch, technisch etc.pp. — denn wenn man den Spaß daran findet, neue Wege zu gehen, rückt man so schnell auch nicht wieder davon ab. Und wenn man sich auf diesen neuen Wegen vom Alten und bereits existierenden inspirieren lässt -warum auch nicht- bewegt man sich auf der Ideallinie zwischen Neu und Alt, Gebraucht und Innovativ. Das muss doch unser Ziel sein. Privat, im Beruf, in der Politik, in der Bildung, immer.

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wortkrieg, 2017.