Lebensbegrenzer

Wie ein kleines Gerät seit einigen Jahren unser Leben dominieren will — und wir es zulassen. Ein Verfahrenshinweis.

Akkumulator, Der [Tech | Subst, m]

Gegenstand, welcher Laufzeit und Lebensdauer elektronischer Geräte beschränkt. Endet die Akkuladung, endet das Leben wie wir es kennen.

Fährt man heutzutage Bahn, sitzt ab und an eine Gruppe Jugendlicher im Abteil. Wir unterhielten uns früher über Lehrer, Serien und die aktuellen Folgen, Filme, Musik und natürlich die aktuelle Technik.

Heute unterhalten sich die durchschnittlichen bahnfahrenden Jugendlichen über ihre Smartphones. Android oder iOS, Apps, Funktionen, Farben und Hüllen. Bricht der Empfang im Zug ab, bricht Panik aus, vom Datentunnel abgeschnitten zu sein. Wer kein Smartphone hat ist entweder vintage oder out. Und der größte Streitpunkt ist der Akku. Laufzeit, Ladedauer, Ladezyklen.

Da stellt sich einem doch die Frage: Was passiert eigentlich, wenn der Akku leer ist? Endzeit? Apokalypse? Sind wir doch mal ehrlich: Dieses kleine Ding, vorwiegend aus Lithium-Polymer oder Lithium-Mangan hat inzwischen einen weit größeren Einfluss auf unseren Alltag gefunden, als es uns lieb wäre. Wir sehen nur auf unser Handydisplay, um festzustellen, wie geladen unser Akku ist. Umso geringer seine Ladungsdifferenz, also umso “leerer” dieser wird, umso öfter sehen wir auf das Display. Und mit jedem betätigen des Entsperren-Knopfes entladen wir den Akku ein stück schneller — wir beschleunigen den Prozess, um zu sehen, wie viel Zeit uns noch bleibt. Sinnloserweise!

Was ist das Schlimmste, was passieren kann?

Was bringt es uns denn auch, zu wissen wie es um unseren Akku steht, wenn wir ohnehin nichts daran ändern können? Es macht uns unsicher. Die ständige Erreichbarkeit gibt uns ein Gefühl von Sicherheit. Oder gaukelt uns das zumindest vor. Wenn man sich das jedoch genauer betrachtet? Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann, falls das Handy einmal versagt? Keine Hilfe in einem Notfall rufen zu können ist wohl das meist genannte Argument dazu — sollte jedoch in den Wenigsten Fällen ein wirkliches Problem sein. Denn irgend ein Passant oder Helfer, Kollege oder Freund hat garantiert noch ein paar Prozent, ein paar Milliampere Strom übrig. Denn mehr braucht ein Smartphone nicht. Es ist eine winzig kleine Ladung, verglichen mit dem Strombedarf eines Toasters. Oder Wasserkochers. Und das, obwohl das Smartphone doch um ein vielfaches klüger ist!

Warum sollte uns also dann diese verhältnismäßig winzige Menge an Strom so verunsichern. Der Strom eines Smartphone-Akkus reicht nicht einmal, um ein Stück Toastbrot Knusprig Braun auf beiden Seiten zu bekommen — und das sollte doch wohl unsere größere Sorge sein. Was ist denn schon Toast, wenn er nicht Getoastet ist!

Die Nacht dient dem Schlaf

Genauso tun sich manche Leute schwer, ihre Smartphones über Nacht in den “Nicht Stören”-Modus bzw. den Flugmodus zu stellen (Viele Geräte können das sogar automatisch). Oder sie gar auszuschalten. Man könnte ja verpassen, dass eben der dritte Weltkrieg ausgebrochen ist. Oder der Papst gestorben (Interessiert das überhaupt noch irgend einen Smartphoneuser? Früher waren alle Fernsehsender im entscheidenden Moment davon überschattet — unterbricht ein iPhone dafür auch sein Programm?). Oder man könnte verpassen, dass ein riesiger Meteor auf die Erde zu rast.

Naja, man würde das dann auch erst recht spät realisieren: Denn eigentlich schläft man ja zu dieser Zeit noch. Und das ist auch gut so. Es gibt nichts besseres als einen langen, unterbrechungsfreien Schlaf. Warum in aller Welt sollte man dann also freiwillig in Kauf nehmen, dass man von unnötigen WhatsApp-Gruppennachrichten, Twitter-Faves oder Instagram-Likes unter Umständen jedes mal aus dem Schlaf gerissen wird, nur weil das Handy sich jedes mal mit einem sanft penetranten Vibrieren oder einem nervigen “BING” meldet? Wenn der dritte Weltkrieg ausbricht würde ich es vielleicht sogar noch in Kauf nehmen, dafür aus dem Schlaf gerissen zu werden. Aber nicht wegen eines Faves oder Likes.

Wenn das Handy in der Hosentasche verrücktspielt

Gleiches gilt übrigens auch für Gespräche — oder den Alltag im Allgemeinen. Wenn man sich gerade im Gespräch befindet gibt es doch nichts nervigeres, als dass jemand auf der anderen Seite des Smartphones es für notwendig befindet, eine Frage zu verfassen und via Text direkt zu versenden. Und wenn dann nicht direkt die Antwort kommt im Sekundentakt weiter zu lamentieren. Wozu denn auch anrufen, ist ja ein Smartphone und kein Telefon. Mal abgesehen davon, dass man selbst davon irgendwann genervt ist, wenn das Handy in der Hosentasche verrückt spielt und man das nicht einmal durch den stumm-Kippschalter an der Seite beheben kann, weil dann mit unverminderter Härte weitervibriert wird. Es wird dann noch viel peinlicher, wenn der Gesprächspartner davon abgelenkt wird oder versucht, das geflissentlich zu ignorieren. Doch auch hier gibt es Abhilfe: Der Findige kann dem Gerät das Vibrieren bei Stummschaltung abgewöhnen — oder das Handy einfach mal auf dem Schreibtisch liegen lassen.

Klar gibt einem diese dauerhafte Erreichbarkeit ein gutes Gefühl! Wenn ich eine Idee für einen Tweet habe, greife ich i.d.R. in die Tasche und Twittere, reagiere noch in der Bahn auf Feedback und freue mich über Faves. Aber bin ich im Gespräch, am Arbeiten oder vor allem im Bett, dann ist das Smartphone stumm und hat keine Daseinsberechtigung. Und wenn der Gegenüber das anders sieht, kann das auch schnell als mangelnder Respekt und Unhöflichkeit aufgefasst werden. Zurecht.

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wortkrieg, 2017.