Vorweihnachtswahnsinn

In der Vorweihnachtszeit herrscht ein erhöhter Alltagswahnsinn. Ein Abriss.

Na, bist du jemand von diesen spitze organisierten Menschen, die direkt nach Weihnachten anfangen darüber nachzudenken, was sie denn so zu Weihnachten verschenken sollen? Oder bist du jemand wie ich. Es sind noch ein paar Tage bis Weihnachten und dir fällt langsam auf, dass du ja noch Geschenke brauchst?

Panik

Also erst einmal hektisch das Notebook aufgeklappt, “Geschenkidee Freundin” ergoogelt. Nur Nonsens gefunden. Für die Eltern ebenfalls. Nächster Schritt: Freunde und Kollegen fragen. Entweder man spricht in der Mittagspause geschickt an, dass man ja schon Geschenke hat und erkundigt sich -ohne selbst Auskunft zu geben- nach den Geschenken der Anderen. Oder man fragt einfach direkt. “Hey, Alter, ich hab noch nichts für XY. Was würdest du da machen?”

Kein Ergebnis ist auch ein Ergebnis. So wird das Notebook wieder zugeklappt und die Problematik wieder in irgend einer Hirnwindung aufs Abstellgleis verfrachtet.

Die meisten haben dann irgendwann die Erkenntnis: Ich habe noch nichts zu Weihnachten. Ideensuche beim Stadt- oder Einkaufszentrums-Bummel. Dazu kommen dann immer noch flanierende Nörgelrentner, die zwar schon seit Monaten alle Geschenke haben, aber an einem Samstag Mittag irgendwie Langeweile haben und unbedingt in die Stadt müssen.

Doch in der Stadt gibt es nicht immer die rettende Kreativität. Zu oft ist die Anziehungskraft eines Elektronikladens doch höher als der Ansporn, in ein Fachgeschäft für Geschenkewirtschaft zu gehen. Wer kann es auch verdenken, vor allem da passende Geschenkideen selten auf der Straße liegen. Und im Edeljuwelier um die Ecke sind die Angebote doch auch eher mager.

Und dann kommen da immer noch die Freunde und Kollegen erneut ins Spiel. Entweder, sie haben ebenfalls noch nichts und erwarten von einem selbst dann, dass man eine Zündende Idee für sie hat, oder sie haben schon Ideen und schwärmen über die Güte und Qualität ihres Geschenks. Und das, obwohl mir das in 90% Aller Fälle (Ausnahmen siehe oben) egal ist!

Überall in deinem Umfeld wird dir ein schönes Weihnachtsfest gewünscht — und ein paar ruhige und besinnliche Tage. Und du wünschst das selbe. Aber eigentlich wird das erst mal gar nicht so besinnlich.

Was passiert also über kurz oder lang?

Wenn man sich wirklich am Riemen reißt und ein paar Gedanken macht, lässt sich in den allermeisten Fällen auch noch recht kurzfristig etwas bestellen. Wenn das aber nicht der Fall ist, dann gibt es noch Läden, die auch kreativitäts-Analphabeten wie mir noch eine Idee vermitteln. Wenn man sich natürlich gar nicht kümmert, dann kann es auch passieren, dass man am 24. noch mal los muss und sich durch viele verzweifelte Männer schlagen muss, die auch noch nichts für ihre liebste haben. Letztendlich findet sich dann doch immer ein Geschenk. Die Qualität lassen wir allerdings doch jetzt mal in den Raum gestellt.

Ein Schlüsselerlebnis hatte ich allerdings letztes Jahr, als ich eher aus Langeweile am 24. in Stuttgart die Königsstraße besuchte: Sie war leer. So leer, wie ich diese Straße noch nie gesehen habe. Dieses alltags pulsierende und überlaufene Zentrum war wie leergefegt, die Geschäfte hatten noch offen. Man musste nirgendwo anstehen und wurde nicht ein einziges Mal angerempelt. Verkehrte Welt: Entweder sind die Stuttgarter allesamt top organisiert, oder jeder denkt sich, dass die Königsstraße an Heilig Abend keine Gute Idee ist.

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wortkrieg, 2017.